Aktuelle Presseberichte - Walsumer Knappenverein e.V.

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Aktuelle Presseberichte

Kumpel fuhren unter Tage Rad
Von Sabine Merkelt-Rahm


Walsum.  Ein Tag der offenen Tür im Walsumer Knappenverein versetzt die Besucher zurück in die Zeit der Hauer, Steiger und flackernden Grubenlampen.

Glückauf! Den im Ruhrgebiet schon inflationär gebrauchten Gruß benutzen die Männer und Frauen um Uwe Wandelt glaubwürdig, stolz und herzlich. Rund um das kleine Bergbau-Museum an der Teutonenstraße ist der Ruhrbergbau auch heute noch lebendig. Da lässt man sich auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Mit einer baulichen Pechsträhne hatte der Walsumer Knappenverein nämlich zu kämpfen, bevor der Tag der offenen Tür im Vereinsheim über die Bühne gehen konnte. Das Lachen ist dem Vereinsvorsitzenden Uwe Wandelt nicht vergangen.

„Unsere Überdachung hinten im Hof ist runtergekommen und musste komplett erneuert werden, wir hatten Probleme mit der Kanalisation und dann versagte auch noch die Elektrik“, erzählt er. Gut nur, dass Wandelt und die anderen ehemaligen Kumpel allesamt herausragende Handwerker sind, die einst hunderte Meter unter der Erde schwerste Maschinen bedienten und in Stand hielten.
Drei Fördertürme auf der Fahne

Sprich: Jetzt ist alles wieder repariert und Wandelt erklärt den Besuchern die Exponate aus der Walsumer Bergbaugeschichte. „Auf unserer Fahne sind drei Fördertürme zu sehen, dabei waren am Schacht Walsum nur zwei, aber der Wetterschacht in Förde gehörte ja auch dazu, der wurde auf der gestickten Fahne quasi ran gerückt.“

Die anwesenden Kumpel erinnert das an die Fahrräder, die es unter Tage gab. Wer am Wochenende Dienst hatte, etwa um die Pumpen zu warten, der fuhr auf dem Schienenfahrrad unterirdisch nach Voerde raus. „Die gingen ab wie Pommes, da musste man zum Bremsen schon mal die Füße zur Hilfe nehmen“, schwärmt ein Bergmann von der etwas anderen Fahrradtour.

Die Vereinsmitglieder haben es sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an den Bergbau in der Region lebendig zu halten. Sie führen nicht nur Schulklassen durchs Museum, sondern haben auch die Alten im Blick, die nicht mehr selber kommen können.
Besuche in Seniorenheimen

„Wir waren im letzten Jahr mal in einigen Seniorenheimen und haben mit den Leuten dort über den Bergbau gesprochen, das ist sehr gut angekommen, weil hier ja praktisch jeder jemanden kennt, der auf der Zeche war“, sagt Wandelt. Im ersten Stock sitzen Vereinsmitglieder und Gäste bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen zusammen.

Wandelt entdeckt einen Freund aus Kindertagen, der mit ihm gemeinsam auf dem Pütt in der Ausbildung war. „Bist du eigentlich Vereinsmitglied? Kostet nur vierundzwanzig Euro im Jahr“, lockt er Hans Jürgen Schäfer, der inzwischen in Dinslaken wohnt und über das Internet vom Tag der offenen Tür erfuhr.

Und zeigt ihm den Dachboden, wo man aus dem Dachflächenfenster den letzten Förderturm sieht. Da sitzen die Althauer öfter gemütlich beim Bierchen für ein Euro pro 0,33 Glas zusammen und schieben in Gedanken noch manche Tonne Kohle. Schäfer ist beeindruckt, vielleicht kommt er ja jetzt öfter.

So wie Walter Kirch,

der vor der Türe des Museums seine große Grubenlampen-Sammlung zeigt. „Das ist ein Vogel und das ist ein Frosch“, erklärt er seine ältesten Lampentypen aus dem 19. Jahrhundert: „Die hat man damals mit fettigen Schlachtabfällen gefüllt, Docht rein und angesteckt, das muss ordentlich gestunken haben“. Wo bringt man so viele Lampen unter? Kirch lächelt seine Frau an: „Im Kinderzimmer, das Kind ist inzwischen über vierzig und auf Montage“, sagt er.

Zeitungsartikel vom 14.07.2017





 
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